Impfpflicht für Pflegepersonal?

In der vergangenen Woche wurde von Seiten der Politik eine Impfpflicht für Pflegeberufe gegen das Coronavirus ins Spiel gebracht. Markus Söder hat in diesem Zusammenhang die mangelnde freiwillige Impfbereitschaft von Pflegekräften kritisiert und den Ethikrat gebeten, Vorschläge zu machen, ob und für welche Gruppen eine Impfpflicht möglich sei.


Laut WHO sind 10% der Covid-19-Erkrankten Angehörige des Gesundheitswesens. Derzeit besagt der aktuelle Kenntnisstand, dass das Risiko einer Impfung ungleich geringer ist als das Risiko, durch eine Infektion Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf ernsthaft zu gefährden.


Kritik aus Reihen der Pflegeverbände

Der Deutsche Pflegerat ist über den Vorstoß aus der Politik jedoch entsetzt, da er bereits in der vergangenen Woche auf Defizite bei den Impfkampagnen hingewiesen hatte. „Deutschlands Pflegefachpersonal benötigt keine Impfpflicht gegen das Corona-Virus. Zwang schafft keine guten Lösungen“ sagte Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates. Für ihn sind verständlich aufbereitete Informationen und ein einfacher Zugang zur Impfung der Schlüssel zu einer hohen Freiwilligenquote.

Der DBfK bezieht ebenfalls klar Stellung gegen Söders Vorschlag. DBfK-Präsidentin Christel Bienstein stellte heraus, dass sich „Momentan […] nicht einmal all die beruflich Pflegenden impfen lassen [können], die dies dringend wünschen.“ Zusätzlich wird laut dem DBfK ein Generalverdacht gegenüber allen professionell Pflegenden ausgesprochen, der ungerecht und kontraproduktiv sei. Vielmehr hält Bienstein Information und Aufklärungskampagnen als richtiges Mittel, um die Impfbereischaft zu erhöhen. Des Weiteren lägen bisher keine konkreten und belastbaren Zahlen zur tatsächlichen Impfbereitschaft vor, die eine Impfflicht rechtfertigen würden.


(Quelle: DNQP, Springer Pflege, Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft)

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