Lernen ohne Rückmeldung geht nicht - Feedbackgespräche in der Praxisanleitung

In der Pflege arbeiten bedeutet permanentes Lernen. Egal, ob in der Ausbildung oder nach mehreren Berufsjahren. Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse, die gelernt und umgesetzt werden wollen. Die Schwierigkeit dabei ist häufig jedoch der Start – also die Frage „Was muss ich eigentlich gerade Lernen?“. Dies können wir selbst teilweise gar nicht wissen, sondern wir benötigen andere Personen dafür. Das sogenannte Johari-Fenster zeigt uns, warum.


Unser „blinder Fleck“ muss kleiner werden

Das Johari-Fenster verdeutlicht uns, dass es Bereiche gibt, die wir von uns selbst kennen und, dass es Bereiche über uns gibt, die wir nicht von uns kennen. Interessant ist hier der „blinde Fleck“ – dies sind Aspekte, die anderen bekannt aber einem selbst unbekannt sind. Dies kann verschiedene Gründe haben.

Der offensichtliche Grund ist, dass man bisher keine Rückmeldung zu einem gewissen Punkt bekommen hat. Dies ist häufig bei Verhaltensweisen der Fall. Stellen Sie sich vor, Ihre Kollegin sagt jedes Mal „Ähm. Ja also“ bevor sie in Dienstbesprechungen etwas sagt. Über die Dauer kann einem das ganz schön den Nerv rauben. Irgendwann suchen Sie das Gespräch mit ihr und sagen ihr, dass sie immer „Ähm. Ja also“ sagt. Ihrer Kollegin war das nicht bewusst und achtet demnächst darauf, diese Verhaltensweise abzulegen. Sie sehen also: Ein Feedbackgespräch ist wichtig, um Unbekanntes verändern zu können.


Abbildung: Das Johari-Fenster (eigene Darstellung)


Das Johari Fenster in der Praxisanleitung

Der blinde Fleck kann aber noch einen weiteren Grund haben: Unzureichendes Wissen. SchülerInnen in der pflegerischen Ausbildung sind ein gutes Beispiel – dies hat auch Sabine Becker erkannt, die wir bereits seit einiger Zeit begleiten. In ihrer ersten Praxisanleitung innerhalb der Weiterbildung thematisiert Frau Becker die Grundpflege am Waschbecken mit der Schülerin Frau Schuster im ersten Einsatz. Nach der Anleitungssituation fragt Frau Becker die Schülerin nach einer eigenen Einschätzung. Frau Schuster weiß gar nicht so recht, was sie antworten soll und beschränkt sich auf den Ablauf des Pflegestandards. Sabine Becker bemängelt aber vor allem die Kommunikation, da Frau Schuster viel zu wenig mit der Patientin gesprochen hat. Bisher hat Frau Schuster aber überhaupt nicht den Lernstand, sich sicher in dem Prozess der Ganzwaschung bewegen zu können. Dies zeigt, dass auf der einen Seite Lernlücken aufgedeckt werden können und auf der anderen Seite Wissen von einer anderen Person (hier Frau Becker) nötig ist, um einen Lernprozess zu starten.


Schlussfolgerung aus dem Johari-Fenster für die Praxisanleitung:




Natürlich sind diese Gedanken grundlegend wichtig. Der nächste Schritt stellt viele Kolleginnen und Kollegen vor Herausforderungen: Das Feedback bei den Lernenden anzubringen. Wenn Sie sich auf dem Gebiet fortbilden möchten, besuchen Sie doch unsere Fortbildung im Rahmen Ihrer berufspädagogischen Fortbildung.

51 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen