Interprofessionelle Ausbildungsstation


Interprofessionelle Ausbildungsstationen (IPSTAs) sind Ausbildungseinheiten innerhalb einer Station, in denen Medizinstudierende im Praktischen Jahr gemeinsam mit Auszubildenden der Pflege, der Physiotherapie, der Ergotherapie und weiterer Gesundheitsberufe eigenständig die Patientenbetreuung und das Stationsmanagement der Patient*innen im interprofessionellen Team übernehmen. Dabei werden sie stets durch ausgebildete Lernbegleitende der beteiligten Berufsgruppen betreut und unterstützt. Durch die stetige Kommunikation, die gemeinsame Arbeit, sowie eine gezielte Aufgabenteilung steigt das gegenseitige Verständnis der Professionen füreinander. Durch die daraus resultierenden effizienteren Behandlungsabläufe ergibt sich eine große Chance, Fehlerraten zu senken und somit die Patientensicherheit zu erhöhen. Eine angenehmere Arbeitsatmosphäre im Team kann zudem die eigene mentale Gesundheit stärken. Verantwortungsübernahme sowie der Umgang mit Unsicherheit werden gemeinsam mit einer Vielzahl weiterer, in Studium und Ausbildung vernachlässigter kommunikativer Kompetenzen gefördert.


Ablauf auf der Ipsta

Im Laufe des Tages wird auf einer solchen interprofessionellen Ausbildungsstation sowohl mono- als auch interprofessionell gearbeitet. Die Pflegeauszubildenden messen im Morgenrundgang die Vitalparameter der Patienten, kümmern sich um die notwendigen Infusionen und helfen den Patienten bei der Körperpflege. Währenddessen planen die PJler den Visitenablauf und bereiten sich auf eventuelle Neuaufnahmen vor. Im Anschluss daran findet eine interprofessionelle Visite mit allen Beteiligten des Teams inklusive der Lernbegleitenden statt, die sich jedoch im Hintergrund halten. Die Patientengespräche sowie eine anschließende Nachbesprechung, in der das weitere Vorgehen für jeden Patienten gemeinsam festgelegt wird, werden von den Studierenden und Auszubildenden durchgeführt. Die Lernbegleitenden nehmen eine beratende Funktion ein, geben Tipps und verbessern, wenn dies angebracht und notwendig ist. Durch diese enge Zusammenarbeit wird eine lernförderliche Atmosphäre für die Studierenden und Auszubildenden geschaffen. Sie haben jederzeit die Möglichkeit, direktes Feedback beispielsweise bezüglich ihres Umgangs mit den Patienten zu erhalten und somit kontinuierlich ihre Kenntnisse und Fähigkeiten auszubauen.

Nach dem Abschluss der Visite kümmern sich die Studierenden und Auszubildenden um die zuvor gemeinsam besprochenen Aufgaben. Teilweise werden praktische Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Legen eines Blasenkatheters, auch im interprofessionellen Team gemeinsam durchgeführt. So lernen die Studierenden und Auszubildenden auf der IPSTA nicht nur miteinander, sondern auch voneinander. Im weiteren Verlauf des Vormittags kümmern sich die Pflegeauszubildenden um Aufgaben wie Verbandswechsel, Mobilisationen, Mahlzeiten und Insulin-Applikationen. Die PJler übernehmen dabei Aufgaben wie die Blutentnahme, das Anmelden von Untersuchungen, das Erstellen eines Therapieplans und das Schreiben von Arztbriefen. Die Neuaufnahme von Patienten sowie Entlassungen erfolgen immer im interprofessionellen Setting. Bevor die Frühschicht endet, gibt es eine Überlappungszeit mit der Spätschicht, die mit einer kurzen Teambesprechung mit den Lernbegleitenden beginnt. In dieser finden Reflexionsgespräche über die tägliche Zusammenarbeit statt, und aufgetretene Probleme können gemeinsam besprochen und gelöst werden. Des Weiteren werden einzelne Patient*innenfälle näher betrachtet und durch kurze Vorträge seitens der Lernenden ein erweiterter Kompetenzerwerb ermöglicht. Abschließend findet eine interprofessionelle Übergabe an die IPSTA-Teams der Spätschicht statt, die sich nun den Rest des Tages um die Patienten kümmern werden.


Ipsta als Modell für die Zukunft?

Durch das eigenverantwortliche Arbeiten werden neben den interprofessionellen Kompetenzen ebenso professionsspezifische Inhalte erlernt und vertieft. Dank der stetigen Betreuung durch die Lernbegleitenden ist die Sicherheit der Patienten zu jedem Zeitpunkt gewährleistet, und die Lernenden können sich bei Fragen stets bei ihren Lernbegleitenden rückversichern. Daneben verbessern sich die Lernenden täglich durch regelmäßiges, konkretes und situatives Feedback. Der geschützte und strukturierte Rahmen ermöglicht ihnen dabei, persönlichen Lernbedarf festzustellen sowie sich an die eigenständige Arbeitsweise zu gewöhnen. Durch die intensive interprofessionelle Zusammenarbeit erfahren die zukünftigen Fachkräfte die Bedeutung dieser für eine optimale Patientenversorgung.



Quellen: „Begeistert, was die alles können“ – Klinikticker Online (letzter Aufruf am 27.02.2022)




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