Die Historie der Pflegeausbildung


Historisch betrachtet hat sich die Pflege aus den vermeintlich selbstverständlichen altruistischen Tugenden wie Nächstenliebe und Fürsorge für Mitmenschen sowie der fortwährenden berufsbedingten Dependenz von der Humanmedizin entwickelt. Nach der Begründung der modernen Krankenpflege durch Florence Nightingale Mitte des 19. Jahrhunderts und der späteren Etablierung erster berufsständischer Vertretungen der Pflege in Deutschland durch Agnes Karll zu Beginn des 20. Jahrhunderts, gewann die Pflege, vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung, immer mehr an Bedeutung und Zuspruch. Durch viele verabschiedete Gesetze und Reformen wurden seit den 1970er Jahren das Berufsfeld Pflege und das professionelle Bild der Pflege deutlich geprägt. Anfang der 2000er Jahre starteten die ersten Pflegestudiengänge an Hochschulen, und 2020 wurde auf die generalistische Ausbildung in der Pflege und primärqualifizierende pflegespezifische Studiengänge umgestellt.


Wie hat sich das berufliche Selbstverständnis entwickelt?

Jeder Beruf verfügt über ein berufliches Selbstverständnis, das die Berufsangehörigen während ihrer Ausbildung und ihrer Tätigkeit entwickeln und über das sie sich in ihrer beruflichen Rolle identifizieren. Berufliches Selbstverständnis ist damit auch ein wesentlicher Bestandteil der Pflegeberufe und soll dazu beitragen, dass die Pflegekräfte fähig sind und ein Verständnis dafür entwickeln, ihr eigenes Handeln zu betrachten, zu begründen und zu reflektieren. Durch diese Begründung und Reflexion wird es möglich, eigene Verantwortung für pflegerische Aufgaben zu übernehmen und somit selbstbewusst den eigenen Beruf nach innen und außen zu vertreten. Berufliches Selbstverständnis im Pflegebereich bedeutet aber auch, zu erkennen, dass aktuelles Wissen dem Wandel unterliegt und dementsprechend eine kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung notwendig ist, um dauerhafte Fachlichkeit und Expertise hervorzubringen. Letztlich bedeutet „Berufliches Selbstverständnis“ auch, sich in die Anleitung und Begleitung zukünftiger Pflegekräfte, beispielsweise innerhalb der Praxisanleitung, einzubringen und die Bedeutung des eigenen Berufes berufspolitisch und gesellschaftlich zu vertreten. Letzteres kann beispielsweise auch durch das Engagement in einem Berufsverband erfolgen. In den Anfängen der Krankenpflege war die Pflege der Menschen durch Nächstenliebe bestimmt und die eigenen Bedürfnisse wurden dabei zurückgestellt. Eine berufspolitische Organisation war nicht möglich, da dies zur damaligen Zeit nicht erlaubt war. Auch die verschiedenen Expertenstandards gibt es erst seit dem Jahr 2008. Seither werden sie regelmäßig durch Pflegewissenschaftler*innen aktualisiert. Dadurch nimmt auch die Wissenschaft eine immer wichtigere Rolle in der pflegerischen Praxis ein. Auf unserer Internetseite finden Sie ebenfalls Blogeinträge zu einigen Expertenstandards.


Wie sieht gute Pflege in der heutigen Zeit aus?

Bei jeder pflegerischen Tätigkeit ist es erforderlich, den ganzen Menschen zu betrachten, da es sich dabei im Kern um Beziehungsarbeit handelt. Diese setzt einen direkten Umgang und ausreichend Zeit für die zu pflegenden Menschen voraus. Die ganzheitliche Pflege bezieht sich dabei auf den gesamten Pflegeprozess. Jede Pflegefachperson muss deshalb im Rahmen des Pflegeprozesses insbesondere die Bedarfserhebung, Planung, Durchführung und Evaluation leisten und in der Lage sein, eigenverantwortlich Entscheidungen treffen zu können. Pflegerische Tätigkeit findet in unterschiedlichen Bereichen wie beispielsweise der Akutpflege, stationärer Langzeitpflege, ambulanter Pflege, Pädiatrie und Psychiatrie statt und hat daher verschiedene Ausprägungen und Schwerpunkte. Im Folgenden soll unser Selbstverständnis in allen Bereichen im Vordergrund stehen. Unser Ziel ist es, eine hohe Versorgungsqualität in jedem Pflegebereich sicherzustellen. Benötigt werden dafür gut ausgebildete Pflegefachpersonen, deren Anzahl sich an dem tatsächlichen pflegerischen Bedarf bemessen muss. Gute Pflegeergebnisse sind zudem nur unter guten Arbeitsbedingungen möglich.




Quellen: Buch von Irene Messner:2017, Geschichte der Pflege, facultas Verlag

Blogeinträge zu den Expertenstandards

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