Pflege unter dem Regenbogen

Die pflegerische Versorgung soll ganzheitlich erfolgen – so haben wir es mal gelernt. Dazu gehört es auch, die zwischenmenschliche Ebene zu berücksichtigen – Sexualität sollte folglich immer wieder Thema sein. Doch wie sieht es eigentlich mit Menschen aus, die keine heterosexuelle Beziehung bevorzugen?


Was bedeutet überhaupt LGBTQ?

Der Begriff LGBTQ+ ist eine Abkürzung und steht für Menschen, die unterschiedliche Identitäten und sexuelle Orientierungen haben. Jeder Buchstabe steht hierbei für eine Gruppe: lesbisch, schwul (aus dem Englischen „gay“), bisexuell, transgeschlechtlich (auch „trans*“), queer und intergeschlechtlich (auch „inter*“). Übrigens: Im Deutschen heißt der Begriff LSBTI* (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intergeschlechtliche). Das Plus bzw. Sternchen bezieht dabei alle weiteren Richtungen und Identitäten mit ein, die nicht direkt aufgezählt werden. Ein Symbol der LGBTQ+-Community ist die Regenbogenflagge.

Vorurteile und Problemfelder

Im pflegerischen Alltag gibt es Vorurteile genau so oft, wie im normalen Alltag. Täglich begegnen die Pflegefachpersonen vielen Menschen, die alle unterschiedlich sind. Im ICN Ethikkodex steht geschrieben, dass die Pflegenden in der Pflege von Menschen jeden Menschen gleichwertig behandeln und mit Respekt begegnen. Bei der Pflege von Menschen spielen das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, die Herkunft usw. keine Rolle. Und es ist die Pflicht von Pflegenden diese Werte zu beachten. Gute Pflege basiert auf professionellem Wissen und Können. Aber auch die persönliche Haltung der Pflegekraft, sowie ihre Fähigkeit, eine individuelle und konstruktive Beziehung zum pflegebedürftigen Menschen aufzubauen, sind entscheidende Faktoren für erfolgreiches Pflegehandeln. Dazu gehört es, ein Bewusstsein für die Vielfalt menschlicher Existenz zu entwickeln.


Diversitätssensibilität von Pflegefachpersonen

Das soziologische Modell der Diversität besagt, dass Menschen durch unterschiedliche, nicht veränderbare Merkmale geprägt sind. Diese Merkmale sind bei jedem Menschen in unterschiedlicher Gewichtung zu finden. Sie bilden die Grundlage der Persönlichkeit, bestimmen das Verhalten und haben Einfluss auf die weitere Entwicklung des Individuums. Es wird davon ausgegangen, dass alle Dimensionen der Diversität miteinander verbunden sind und sich gegenseitig bedingen. Manchmal stehen sie in Konflikt miteinander, etwa wenn die geschlechtliche Identität nicht dem biologischen Geschlecht entspricht oder die Religion die eigene sexuelle Identität abwertet oder ablehnt. Keine der Dimensionen kann jedoch von einem Menschen dauerhaft unterdrückt werden. Der Diversitätsansatz erkennt Unterschiede zwischen Menschen an und wertschätzt sie. So wird Diskriminierungen entgegengewirkt. Die nämlich entstehen, wenn Menschen aufgrund eines oder mehrerer Merkmale (z.B., weil sie behindert, homosexuell, alt oder weiblich sind) abgewertet und ungerecht behandelt werden. Mit dem Diversitätsmodell vor Augen sind Pflegekräfte dazu in der Lage, den Menschen in all seinen Dimensionen zu erfassen und anzunehmen.

Die Homo- oder Bisexualität, Transidentität oder Intersexualität eines Menschen ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Identität und bezieht sich nicht allein auf Sexualität, sexuelles Verhalten oder geschlechtliches Selbstverständnis. Vielmehr geht es hier um einen Persönlichkeitsanteil, der sich auf viele Lebensbereiche auswirkt und daher selbstverständlich auch in der Pflegesituation zum Tragen kommt. Pflege hat die Aufgabe, diesen zentralen Persönlichkeitsanteil einzubeziehen und die speziellen Lebensrealitäten und Erfahrungshintergründe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transidenten und Intersexuellen zu berücksichtigen, so wie auch bei Menschen mit Migrationshintergrund die kulturelle und religiöse Prägung in der Pflege Beachtung finden sollte. Erlebte oder befürchtete Diskriminierung führt dazu, dass sich LSBTI in den Einrichtungen zurückziehen oder sie gar nicht erst aufsuchen was im Falle einer notwendigen medizinischen Behandlung weitreichende Folgen haben kann.

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